Diverse Fragen zur Mikrofonierung (Decca mit Blumlein etc.)

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Christian-B
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Diverse Fragen zur Mikrofonierung (Decca mit Blumlein etc.)

Beitragvon Christian-B » Di 30. Sep 2008, 18:43

Ich weiss, ein Dauerthema, aber irgendwie doch nie richtig beantwortet:

Was spricht gegen einen Decca Tree mit einem Blumlein-Stereomic (in casu Bändchen) und zwei Kugeln (mit selbst fabrizierten Aufsteckkugeln dran)?

Was spricht gegen eine M-S Mikrofonierung mit einem Bändchen als 8 (es gibt Bändchen mit unter 3,5 cm Gehäusedurchmesser)?

Was spricht gegen einen Decca Tree in der oben erwähnten Anordnung mit einem M-S statt Blumlein Stereomic?

Was hält Ihr davon, die Raummikrofone (ich denke im Idealfall Kugeln mit so um die 5m Abstand ) beim Mastering frequenzgangmässig "abzudunkeln", sprich die Höhen zurückzunehmen? Wie stark?

Warum funktionniert das Grenzflächen-Mikrofon bei Aussenaufnahmen schlecht (oder mache ich etwas falsch)?

Gruss Christian-B

ebs
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Re: Diverse Fragen zur Mikrofonierung (Decca mit Blumlein etc.)

Beitragvon ebs » Di 30. Sep 2008, 20:52

Was spricht gegen einen Decca Tree mit einem Blumlein-Stereomic (in casu Bändchen) und zwei Kugeln (mit selbst fabrizierten Aufsteckkugeln dran)?
Antwort: Ein Decca Tree lebt von Laufzeitstereofonie mit drei Mikrofonen in Kugelcharakteristik bei einem Frequenzgang bis runter zu 20 Hz. Ein Koinzidenzmikrofonsystem, wie das Blumlein-System passt nicht dazu. Bändchenmikrofone sind zum überwiegenden Teil eben Mikrofone mit Achtercharakteristik, die von Natur aus eine starke Abnahme der tiefen Frequenzen haben. Die Frequenzgänge von Royer sind unter 200 Hz unglaubwürdig.
Wenn man ein "Blumlein" ins Center stellt und links und recht daneben je eine Kugel, so kann man das machen - alles ist möglich" - aber das hat dann nichts mehr mit einem "Decca-Tree" zu tun, auch nicht wenn da selbstfabrizierte Aufsteckkugeln dran sind.

Was spricht gegen eine M/S-Mikrofonierung mit einem Bändchen als 8 (es gibt Bändchen mit unter 3,5 cm Gehäusedurchmesser)?
Antwort: Da spricht nichts deutlich dagegen. Die Firmen, die nur in M/S aufnehmen probieren viel aus und nehmen dann generell für das S-Signal ein "Kondensatormikrofon" mit einer Schoeps-Acht. Das wird schon seine Gründe haben.

Was spricht gegen einen Decca Tree in der oben erwähnten Anordnung mit einem M/S statt Blumlein Stereomic?
Antwort: Wie oben: Das ist dann kein Decca Tree mehr. Wenn man Spaß dran hat, dann ist alles machbar. Es gibt halt den M/S-Koinzidenzklang mit etwas Kugelbrei. Wenn's klingt, dann ist's gut. Wenn nicht – dann war's nix.

Was haltet Ihr davon, die Raummikrofone (ich denke im Idealfall Kugeln mit so um die 5 m Abstand ) beim Mastering frequenzgangmäßig "abzudunkeln", sprich die Höhen zurückzunehmen? Wie stark?
5 Meter Mikrofonbasis bei den Raummikrofonen erzeugen deutlichen "Flankenhall". Zwei bis 3 Meter Mikrofonbasis reichen dabei völlig aus.
Antwort: Bei Surround-Sound-Aufnahmen ist es schon üblich, die hinteren Raummikrofone in den Höhen stark abzusenken, damit Direktsignale (Impulse) nicht nach hinten springen. Bei Stereo wird das weniger gemacht. Da werden je nach Klangwunsch auch mal die Höhen des Raumschalls angehoben. Da gibt es keine Regeln, außer die Ohren entscheiden.

Warum funktioniert das Grenzflächen-Mikrofon bei Außenaufnahmen schlecht (oder mache ich etwas falsch)?
Grenzflächenmikrofone haben oft das Problem, sie an der richtigen Stelle auf eine größere Fläche zu positionieren.
Antwort: Üblicherweise werden diese Mikrofone "auf die Erde" gelegt und damit liegen sie für den Schall immer ungünstig. Sie sind aber für den Filmregisseur eine Freude, weil keine Stative zu sehen sind. Als Stützmikrofone sind Grenzflächenmikrofone recht brauchbar, weniger jedoch als AB-Hauptmikrofon. Das gilt im Raum und auch im Freien.

Viele Grüße ebs

Christian-B
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Re: Diverse Fragen zur Mikrofonierung (Decca mit Blumlein etc.)

Beitragvon Christian-B » Mi 1. Okt 2008, 12:11

Vielen Dank ebs, für die kompetenten Antworten.
Vieles hatte ich eigentlich auch schon so geahnt, aber nun ist mir vieles klarer geworden.

Gruss Christian-B


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